Geschichte

Jüdisches Leben in der Steiermark – Zeittafel

04. Juli 2022

1147

Erste urkundliche Erwähnung der “villa ad judeos”, des Judendorfes bei Straßengel, im Norden von Graz.

1160

Nach 1160 Zuzug von Judendorf nach Graz; südlich des heutigen Hauptplatzes entsteht ein abgeschlossenes Wohnviertel und wahrscheinlich auch eine Synagoge zwischen den heutigen Häusern Herrengasse 26 (Thonethof) und Frauengasse 3 (Gasthof “Zur schiefen Laterne”).

1261

Erste urkundliche Erwähnung von Juden in Graz.

1370

Erste urkundlich belegte Synagoge

1439

Erste Judenausweisung und Auflösung des jüdischen Wohnviertels.

1447

Die Aufhebung der Judensperre und erneuter Zuzug.

1497-1848

Judensperre.

1783

Zeitweilige Aufenthaltsmöglichkeit durch das Hofdekret Kaiser Josephs II., das In- und Ausländern “christlicher oder anderer Religionen” erlaubte, Jahrmärkte für Ein- und Verkauf aufzusuchen.

1848

Theoretische Gleichberechtigung und bürgerliche Rechte für alle Staatsangehörigen unabhängig von ihrer Religion. Erster Zuzug von Juden aus dem südlichen Burgenland; offiziell befinden sie sich allerdings nur “auf der Durchreise”.

1861

Statutenänderung der Stadt Graz; nun war es Juden auch gesetzlich möglich, die Nacht über in Graz zu bleiben.

1861-1865

In den Extrazimmern der Gasthäuser “Zum Luftschützen” und “Zum Hasen” finden die allsabbatlichen Gottesdienste für die jüdische Gemeinde statt.

1863

Konstituierung der Israelitischen Korporation.

1865-1892

Im “Withalms Coliseum” in der Zimmerplatzgasse (Heute: Gebietskrankenkasse) befindet sich ein ständiger Gebetsraum.

1867

Nach dem Staatsgrundgesetz sind die Juden Österreichs gleichberechtigte Bürger.

1869

Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz.

1870

Lebten ca. 250 Juden in Graz.

1880

Lebten ca. 1210 Juden in Graz.

1887

Ankauf des Grundstückes Grieskai 58.

1892

Einweihung der Synagoge in Graz (Planung: Arch. Maximilian Katscher); der damalige Rabbiner Dr. Samuel Mühsam macht sich besonders verdient um den Neubau.

1910

Die Kultusgemeinde erreicht ihren Höchststand von 1971 Mitgliedern, was ca. 1,3 Prozent der Grazer Bevölkerung entspricht. Am jüdischen Friedhof wird die Zeremonienhalle eingeweiht.

1892

Die Israelitische Kultusgemeinde Linz bestellt für Salzburg ein eigenes Kultuskomitee mit weitgehender Autonomie

1938

14. Februar: Auslagen jüdischer Geschäfte werden eingeschlagen.

11./12. März: Machtergreifung der Nationalsozialisten, erste Verhaftungswelle.

21. März: Mitgliedsverzeichnis (ca. 2500 Juden leben in Graz) und Kultgegenstände werden beschlagnahmt.

Mai: Badeverbot für Juden im “Bad zur Sonne”, Schulverbot für jüdische Kinder, Auflösung der jüdischen Vereine.

Bis 4. November waren 417 Grazer Juden nach Palästina ausgewandert.

9./10. November: Novemberpogrom “Reichskristallnacht”. Synagoge und Zeremonienhalle werden von SA-Männern zerstört und in Brand gesteckt; über 300 Grazer Juden werden ins KZ Dachau transportiert.

1939

17. April: Die jüdischen Bürger – 305 Personen – werden aus ihren Wohnungen vertrieben.

1940

Frühjahr 1940: Graz erklärt sich “judenfrei”.

1945

Rückkehr einiger weniger Mitglieder der jüdischen Gemeinde und Neubeginn.

1969

Umbau und Neugestaltung des Betsaales am Grieskai 58.

1988

Errichtung eines Gedenksteines am Platz der ehemaligen Synagoge am Grieskai.

1998

21. Oktober: Einstimmiger Beschluss des Grazer Stadtparlaments eine neue Synagoge zu bauen; Baubeginn der neuen Synagoge (Architektenehepaar DI. Ingrid und DI. Jörg Mayr).

2000

9. November: Übergabe der neuen Synagoge an die Grazer Kultusgemeinde unter Präsident Konsul Kurt David Brühl.

2016

Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs Präsident KV MMag. Elie Rosen übernimmt die Leitung der Jüdischen Gemeinde in Graz.

Publikationen zur jüdischen Geschichte

04. Juli 2022

BÜCHER:

  • ROSENBERG Artur, Beiträge zur Geschichte der Juden in der Steiermark; Verlag Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig 1914
  • HALBREINER Heimo/LAMPRECHT Gerald, SCHWEIGER Andreas (Hrsg.), Meine Lebenswege – Die persönlichen Aufzeichnungen des Grazer Rabbiners David HERZOG; Clio Verlag, Graz 2013
  • Israelitische Kultusgemeinde Graz, Geschichte der Juden in Südost-Österreich; Eigenverlag, Graz 1988 (Restexemplare noch verfügbar)
  • GIRARDI Luka, Rabbiner Dr. Samuel MÜHSAM – Ausgewählte Predigen; Verlag Leykam , Graz 2014
  • FUKS Evi (Hrsg.), Minhag Styria – Jüdisches Leben in der Steiermark; Eigenverlag, Graz 2005
  • MÜHSAM Marianne (Hrsg.), Samuel – Predigten; Vlg. W.W. Kaufmann, Leipzig 1909
  • SOTILL Wolfgang, Es gibt nur einen Gott und eine Menschheit – Graz und seine jüdischen Bürger, Vlg Styria, Graz 2001
  • LAMPRECHT Gerald, Fremd in der eigenen Stadt – Die moderne jüdische Gemeinde von Graz vor dem Ersten Weltkrieg; Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2007
  • LAMPRECHT Gerald, Jüdisches Leben in der Steiermark; Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2004
  • Israelitische Kultusgemeinde Graz (Hrsg.), Die Zeremonienhalle der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz, Eigenverlag 1991
  • Peter GUTTKUHN (Hrsg.), Charlotte Landau-Mühsam – Meine Erinnerungen; Erich Mühsam Gesellschaft e.V. Lübeck, Lübeck 2010
  • CLIO, Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit (Hrsg.), Der Koffer der Adele Kurzweil – Auf den Spuren einer Grazer jüdischen Familie in der Emigration, Clio Verlag, Graz 2001
  • KUMAR Victoria, In Graz und andernorts – Lebenswege und Erinnerungen vertriebener Jüdinnen und Juden; Clio Vlg, Graz 2013
  • HALBREINER Heimo (Hrsg.), REICH Herta – Zwei Tage Zeit – Die Flucht einer Mürzzuschlager Jüdin 1938-1944; Clio Vlg. 1998

DIPLOMARBEITEN UND DISSERTATIONEN:

  • PRIESSNER Edda, Der Israelitische Friedhof in Graz; Diplomarbeit an der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1992
  • BREITLER Robert, B´nai B´rith in Graz – Zur Sozialgeschichte des Grazer jüdischen Bürgertums in der Zwischenkriegszeit; Diplomarbeit an der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1992
  • REGENSPURGER Elvira Chrstine, Die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge unter Berücksichtigung der politischen und medialen Öffentlichkeit; Diplomarbeit an der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 2003
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